Wie grün ist die Grüne Woche 2020?

Wie reagieren die Anbieter auf stetig neue Trends und Ernährungsmodelle, welchen Fokus setzen die Unternehmen auf Nachhaltigkeit und wie grün ist die Grüne Woche eigentlich?Ein Messebericht von Julian Piepkorn

BERLIN – Das Jahr 2019 stand ganz im Zeichen des Klimas. Greta Thunberg und die Fridays-for-Future-Bewegung treffen auf die protestierende Agrarwirtschaft. Viele Bauern fühlen sich unfair behandelt und in ihrem Ruf angegriffen, auch von Seiten der Regierung. 

Die Grüne Woche, Deutschlands größte Agrarmesse, die dieses Jahr zum 94. Mal stattfindet, steht also unter großem Druck, die verschiedenen Interessen zusammenzubringen. Vor allem als Verbrauchermesse bekannt, präsentieren sich dort die verschiedensten Firmen und Organisationen, um ihr Image auch in der Bevölkerung zu verbessern. Die Grüne Woche steht also ganz im Zeichen der PR.

Vurst statt Wurst

Das merkt man gleich am Stand von Nestlé, wo der Schweizer Nahrungsmittelkonzern seine neue fleischlose “Vurst” aus Soya vorstellt. Botschaft: “Beim Klima geht´s um die Wurst”. Sofort bekommt man eine Kostprobe gereicht und darf mit vollem Mund den markigen Sprüchen der Nestlé-Vertreter Gehör schenken.

Spannend wird es erst in der anschließenden Fragerunde. Ob Soya nicht eine ähnlich schlechte Umweltbilanz habe wie Fleisch aus der Massentierhaltung? Dazu der kulinarische Geschäftsführer von Nestlé, Miguel Serrano: “Es ist einfach nicht möglich, kurzfristig die ganze Produktion auf europäisches Sourcing umzustellen.” Bis spätestens 2025, so Serrano, soll das Soya komplett aus Europa, statt wie bisher zum Großteil aus Nordamerika, stammen. Inwiefern das die Umweltbilanz bessert, bleibt offen.

Bio-Siegel brauchen wir nicht

Robert Rausch führt das Unternehmen in fünfter Generation. Foto: Stephan Zielke
Robert Rausch führt das Unternehmen in fünfter Generation. | Foto: Stephan Zielke

Anders läuft es am Stand der Berliner Schokoladenmanufaktur Rausch. Auch hier hat man gleich die Hände voller Kostproben, doch stellt sich Geschäftsführer Robert Rausch persönlich den Fragen. Das Jackett locker zugeknöpft erklärt er, warum der Siegel-Hype für ihn gar keine so große Rolle spielt:

“Ich würde sagen, wir sind sogar besser als Bio, weil es unser eigener Standard von uns verlangt. Wir brauchen nicht einfach nur das Siegel draufdrucken. Ich kann zu jedem einzelnen Kakao-Bauern eine Geschichte erzählen und Fotos zeigen. Mittlerweile ist auf jeder Billig-Schokolade ein Bio-Siegel drauf, wie viel Bio oder fairtrade das wirklich ist, steht auf einem anderen Papier.”

Für ihn zähle die Transparenz, denn der Kunde müsse vom Anbau, über die Produktion, bis zum Vertrieb, einen Einblick in die Arbeit des Unternehmens gewinnen können.

Tierschutz? – Das ist Staatsaufgabe.

McDonalds steht nicht gerade für Transparenz. Der Konzern wirbt an seinem Stand für die neuen Eisbecher, ganz ohne Plastik. Überraschend offen stellt sich Senior-Managerin Tanja Rötger einem Interview mit BEnow. Darin betont Sie:

Rötger präsentiert den neuen McFlurry-Becher | Foto: Stephan Zielke
Tanja Rötger präsentiert den neuen McFlurry-Becher | Foto: Stephan Zielke

“Im Moment ist es so, dass wir knapp zehn Prozent unseres Fleisches aus dem Best-Beef-Programm beziehen. Der Großteil ist konventionelle Tierhaltung, aber natürlich sind wir trotzdem an die gesetzlichen Standards gebunden. Der Gesetzgeber überlegt sich ja vorher schon, was tierschutzgerecht ist. Wir versuchen aber, mit dem Programm darüber hinaus zu gehen.”

Auch beim Thema Tierschutz sieht Rötger nicht primär McDonalds in der Pflicht:

“In Deutschland liegt der Tierschutz in den Händen der Veterinärämter, das ist Staatsaufgabe. Der Staat geht in die Betriebe und überprüft, ob Tierschutzstandards eingehalten werden. Also das ist an sich nicht unsere Aufgabe, aber wir tun das aus eigenem Interesse, weil wir natürlich wissen, wenn dort etwas schiefgeht, dass dann die Marke McDonalds hinten dranhängt.”

Viele Versprechen, wenig Taten

Das könnte die Bilanz des Messebesuchs sein. Es ist erkennbar, dass die Relevanz von ökologischen Themen auf Seiten der Unternehmen stärker wahrgenommen wird, jedoch sind die Ziele nachhaltigen Wirtschaftens meist auf die nächsten Jahre verschoben. Letztendlich bestimmt also der Kunde, was er essen will und damit auch, wie sich die Unternehmen zukünftig in Umweltfragen positionieren.

Alle wichtigen Gespräche und Interviews rund um die Grüne Woche 2020 in Kürze ausführlich auf BEnow.