Südkreuz Berlin: Big Brother für alle | Glosse

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In Berlin wurde eine bombastische Idee einwickelt, um den Terror zu bekämpfen. Am Bahnhof Berlin Südkreuz befinden sich seit dem 01.08.17 Kameras für die biometrische Gesichtserkennung.

Jetzt stellen sich mir folgende Fragen: an welcher Stelle wäre Anis Amri gestoppt worden, bevor er mit einem Laster in den Weihnachtsmarkt fuhr? Und hätte der sogenannte U-Bahn Treter nicht zugetreten, wenn die ohnehin vorhandenen Überwachungskameras mit einer Gesichtserkennung ausgestattet wären? Gerade Terroristen, die später einen Selbstmord begehen, schrecken davor natürlich zurück und überdenken ihre monatelang geplante Tat in letzter Sekunde.

Durch die Gesichtserkennungskameras sollen Personen, die tatverdächtig sind und sich aus diesem Grund bereits in einer Datenbank befinden, schneller gefunden werden und eine voraussichtliche Tat soll dadurch verhindert werden. Wenn der Fall doch nicht eintreten sollte, wie wäre es dann die Funktionalität der Kameras einfach mit einer Mütze und einer Sonnenbrille außer Gefecht zu setzten? Eines ist auf jeden Fall klar, wenn ich das nächste Mal den Bahnhof betrete kaufe ich mir am Kiosk vorher eine große Zeitung.

Ca. 300 freiwillige Personen nehmen an dem Test, die Gesichtserkennung durch vorher gespeicherte Daten auszuprobieren, teil und das alles für einen Amazon – Gutschein im Wert von 25 Euro. Den erhalten sie selbstverständlich nur wenn der Kamerabereich an mindestens 25 unterschiedlichen Tagen durchquert wird. Dass eine amerikanische Firma im Kampf gegen die Kriminalität involviert wird beglückt viele Bürger.

Den drei Personen, die am häufigsten in die Kamera gelacht haben winkt sogar eine Apple Watch, ein Fitbit-Armband und eine GoPro, letztere ist gegen den Abwehreffekt. Die besagten Freiwilligen, die nur die Gesichtserkennung am Südkreuz testen sollen, haben sich registrieren lassen, tragen einen Transponder bei sich und lassen sich von der Polizei identifizieren.

Ein ordentlicher Terrorist würde das vorher ja auch machen und wenn es mal ein unordentlicher Terrorist ist setzt er sich einfach eine Maske auf oder kauft sich eine große Zeitung so wie ich. Aus diesem Grund müsste nicht nur ein Bild von dem Tatverdächtigen in der Datenbank gespeichert sein, sondern mindestens 100 Bilder mit verschiedenen Masken. Hoffentlich wird am Ende nicht ausversehen ein unschuldiger Pandabär verhaftet.