Sony Photography Awards – Wenn Fotos Emotionen auslösen

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Paris, Mailand, Berlin – Kunst, die um die Welt reist. Die Rede ist in diesem Fall nicht von der Mode auf der Fashion Week, sondern von den Fotos der Ausstellung zu den „Sony World Photography Awards“. Es handelt sich um die Bilder der GewinnerInnen des weltweit größten Fotowettbewerbs.

Neben der Slowakei, Italien, den USA, Japan, Frankreich, China und Belgien, ist auch Deutschland ein Ausstellungsort. Seit dem 7. November 2017 bis zum 28. Januar 2018 sind die Fotos im Willy-Brandt-Haus in Berlin zu besichtigen. In diesem Jahr feiert die Ausstellung ihr zehntes Jubiläum. Ausgeschrieben wird der Wettbewerb jährlich von der World Photography Organisation und unterstützt von Sony.

Ein weißer Raum im Willy-Brandt-Haus als schlichter Ausstellungsort: im Mittelpunkt stehen die BilderQuelle: Benow
Ein weißer Raum im Willy-Brandt-Haus als schlichter Ausstellungsort: im Mittelpunkt stehen die Bilder

Es gibt eine Jury für die Vorauswahl und eine für die finale Bewertung, beide werden von der „World Photography Academy“ zusammengestellt. Hierbei handelt es sich um eine 2007 selbstgegründete Gruppe von FotografInnen, der man nur auf Einladung hin beitreten kann. Sie besteht aus mehr als 160 Mitgliedern, zu den Gründern_innen gehörten Elliott Erwitt, Mary Ellen Mark, Nan Goldin and Martin Parr.

Die Jury hat keine leichte Wahl. In diesem Jahr haben sie aus rund 227.000 Bildern auswählen müssen, die von TeilnehmerInnen aus 180 Ländern eingereicht wurden. Hierbei wird unterschieden in den Jugendwettbewerb, die National Awards, die Profi-Kategorie, sowie den Offenen Wettbewerb. Eine Festlegung in Hinblick auf Leistungsklassen, Genres und Fachgebiete gibt es also nicht.

Yuan Peng fotografierte die Zwillinge Liu Bingqing and Liu Yujie in ihrer chinesischen SportschuleQuelle: BEnow
Yuan Peng fotografierte die Zwillinge Liu Bingqing and Liu Yujie in ihrer chinesischen Sportschule

Dementsprechend abwechslungsreich sind die ausgestellten Bilder. Von Naturaufnahmen, über Fotos, die die persönliche Bedeutung von Emotionen in Form eines schlichten Porträts einfangen, bis hin zu der Dokumentation politischer Themen, ist alles zu finden.

Christian Vizl aus Mexiko beispielsweise präsentiert ein Foto, das auf die Überfischung, auf die Verschmutzung der Meere und den Klimawandel aufmerksam macht. Gleichzeitig möchte er dem Betrachter „die Pracht, Schönheit und wahre Natur“ vor Augen führen.

Fotograf Christian Vizl glaubt, dass Fotografie "der Menschheit einen echten Dienst erweisen kann"Quelle: BEnow
Fotograf Christian Vizl glaubt, dass Fotografie “der Menschheit einen echten Dienst erweisen kann”

Sabine Cattaneo ist eine Fotografin aus der Schweiz. Sie regt mit ihrer Fotoreihe zu einer Diskussion über das Thema Sterbehilfe an. Die Fotos sind Teil eines Projekts, das zusätzlich aus einer Sammlung von Fakten, Zitaten und Nachrichtenmeldungen besteht. Das Projekt soll uns die Situation in der Schweiz verstehen lassen und gleichzeitig aufführen, was die Schweizer Selbstbestimmungsorganisation in Jahrzehnte langer Arbeit unternommen hat. Die Herausforderung war hierbei, nicht auf das Mitgefühl der Menschen abzuzielen, um Neutralität zu bewahren. Aus diesem Grund hat Cattaneo auf die Abbildung von Menschen verzichtet.

Von Sandra Hoyn aus Deutschland sind Fotos aus einem der größten Bordelle Bangladeschs zu sehen. Das Kandapara-Bordell im Distrikt Tangail existiert seit rund 200 Jahren. Die Bilder sind erstaunlich intim und lösen ein Gefühl des Unbehagens bei den BetrachterInnen aus. „Wenn ich das sehe, wird mir erneut klar, was für ein Glück ich mit den Voraussetzungen habe, die mir von Geburt an gegeben sind“, so die Besucherin und Fotografiestudentin Alexandra.

Sandra Hoyn bildet die jungen Frauen ab, die der Willkür der Bordellinhaber und -besucher ausgesetzt sindQuelle: BEnow
Sandra Hoyn bildet die jungen Frauen ab, die der Willkür der Bordellinhaber und -besucher ausgesetzt sind. Offiziell müssten sie alle 18 sein

Wer im kommenden Jahr selbst an den „Sony Photography Awards“ teilnehmen möchte, kann sich auf der Website genauer informieren: https://www.worldphoto.org/

Die ersten Teilnahmefristen für den National Award, die Open und Youth Competitions enden bereits am 04. Januar 2018, die letzten für den Student Focus erst am 04. Dezember 2018.

Bei der Teilnahme sollte man an die Worte des französischen Fotografen Henri Cartier-Bresson denken: „Auf jeden Fall aber kümmern sich die Menschen zuviel um die photographische Technik und zu wenig um das Sehen“.