Schwarzfahren – eine belächelte Straftat | Kommentar

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Berlin ist die Hauptstadt der Schwarzfahrer. 600.000 wurden alleine 2016 erwischt. Und bei 50.000 von ihnen wurde ein Strafverfahren eingeleitet. Ein erheblicher Aufwand für die Verkehrsunternehmen und Behörden.

Doch dieser Aufwand ist leider notwendig im Kampf gegen Schwarzfahrer. Welche Motive im einzelnen genau hinter dem Schwarzfahren stecken, bleibt meist ungeklärt. Aber einer aktuellen Studie zufolge ist weder eine Unzufriedenheit der Fahrgäste noch ein sehr geringes Einkommen Schuld.

Es darf angenommen werden, dass von den erwischten Schwarzfahrern viele Touristen waren, die sich mit dem Ticketsystem nicht zurechtfanden. Oder Einheimische, deren Karte eine Minute vor der Kontrolle abgelaufen ist oder die vergessen haben, einen Fahrschein zu kaufen. In solchen Fällen braucht es mehr Kulanz seitens der Kontrolleure. Das ist ganz klar.

Aber dann gibt es oft eben auch die, die einfach aus Faulheit oder Uneinsichtigkeit keine Karte kaufen. Die vorsätzlich regelmäßig schwarzfahren. In Berlin sind das rund 4 Prozent. Und gerade die sind das Problem. Vier Prozent bedeuten rund 59 Millionen Schwarzfahrer im Jahr. Und von denen werden lediglich ein Prozent bei Kontrollen erwischt. Schwarzfahren an sich ist also nicht gerade unattraktiv.

Nicht zahlen wollen wegen hohen Preisen und Verspätungen zeugt aber nur von Unverständnis des Systems. Ebenfalls ist es nicht so, dass die Verkehrsunternehmen durch erwischte Schwarzfahrer ein Plus in der Kasse verzeichnen können. Ganz im Gegenteil.

Über einen kostenlosen Personennahverkehr darf durchaus diskutiert werden. Und das wäre sicherlich auch gar keine schlechte Idee. Aber über konsequentes Schwarzfahren wird man das nicht erreichen sondern schadet eher den ehrlichen Fahrgästen.

Solange es keine Veränderung des Finanzierungssystems des ÖPNV gibt, sind starke Kontrollen und Strafverfahren leider weiter notwendig. Ein bisschen mehr Kulanz der Kontrolleure bzw. Verkehrsunternehmen, würde dennoch nicht schaden.