Schöner Alltag: Unser Leben als VIP’s

Lesezeit: 2 Minuten

Ich kann es ganz offen sagen: Ich bin offiziell ein VIP. Denn ich fahre mit einem VIP-Taxi zum Kino. Denn mein eigenes Auto ist in der Waschanlage, bei der ich natürlich ein VIP-Mitglied bin. Im Kino sitze ich selbstverständlich auf den VIP-Sitzen und nicht in der Loge oder gar dem Parkett.

Abends nach dem Film, gehe ich etwas essen. Aber nicht irgendwo. Es geht ins Restaurant zum besonderen VIP-Abendessen. Am nächsten Tage lese ich ein VIP-Reisemagazin. Mir werden VIP-Tageskarten für Events in Berlin angeboten und VIP-Zahnärzte empfohlen.

Währenddessen trinke ich Tee. Der ist zwar tatsächlich ganz normaler Tee, aber die Tasse natürlich ein VIP-Modell. Aus der Tasse darf auch mein Besuch am Wochenende trinken. Immerhin hat der auch eine VIP-Tour durch die Stadt gebucht und fährt mit einem echten VIP-Bus. Es sind also auch VIP’s, so wie ich.

Nächste Woche, wenn der Besuch weg ist, kommt ein VIP-Maler, der mein Haus neu anstreichen soll. Das Haus hat mir übrigens ein VIP-Makler verkauft. Dennoch hat es mal eine neue Farbe nötig. Ich werde währenddessen wohl zum Sport gehen. Auch dort bin ich gerne gesehenes VIP-Mitglied. 

Doch all diese vermeintlichen VIP-Privilegien könnten Sie, Ihr Nachbar oder Ihre Putzfrau ganz genauso in Anspruch nehmen. Eigentlich sind sie nichts besonders. Nur drei simple Buchstaben, die Exklusivität und einen Glamour-Faktor suggerieren.

Alles nur Marketing, schöne Etiketten – nichts dahinter, würde jetzt Kritiker sagen. Die Firmen machen den Kunden etwas vor, es geht nur ums Verkaufen. Aber ist das wirklich so? Oder ist unsere Gesellschaft vielmehr dort angekommen, wo wir so lange hinwollten. Zu der Erkenntnis, dass alle Menschen gleich wertvoll sind. Dass wir alle zu den Very Important Persons zählen.