Partnersuche im Netz – Anonyme Erfahrungsberichte

Online-Dating
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Millionen von Menschen suchen heute im Internet nach einem Partner. Funktionieren solche Beziehungen und können die Online-Pärchen wirklich miteinander glücklich werden?

Bei BEnow sprechen drei Singles und einem Pärchen anonym über ihre Erfahrungen mit Online-Dating.

 

BEnow: Wie findet Ihr Dating-Apps wie LOVOO und Tinder?

Sandra (21): „Generell finde ich diese Apps gut, jedoch wird es immer mehr, dass die Leute dort es nicht ernst nehmen und auch immer direkter und perverser werden.“

Julius (20):  „Eigentlich war ich nie ein Fan dieser Dating-Plattformen, meinen ersten Freund hatte ich auch auf einer Schulveranstaltung kennengelernt. Irgendwann haben wir Schluss gemacht und ich war einige Zeit allein, dann kam der Moment als ich wie ein Besessener angefangen habe, alle möglichen Apps herunterzuladen. Ich hatte sie alle und war auf allen Plattformen angemeldet. Stolz bin ich darauf nicht und sehr schön finde ich diese kommerzialisierte Oberflächlichkeit auch nicht, aber man tut ja doch vieles in Notsituationen.“

 

Welche App ist Euer Favorit oder gibt es vielleicht mehrere?

Lena (21): „Mein Favorit ist LOVOO.“

Julius: „Für gleichgeschlechtlich liebende Menschen sind die Optionen ja zum Glück etwas eingeschränkter. Da gibt es zum einen Grindr, das wirklich nur eine Sex-Börse ist. Schöner sind da Apps wie LOVOO, Tinder und Once, wo man quasi erstmal eine Qualifikationsrunde bestehen muss, um überhaupt Kontakt aufnehmen zu können. Weniger oberflächlich aber trotzdem noch eher seicht.“

 

Warum macht Ihr überhaupt Partnersuche im Internet?

Lena: „Da es einfacher ist, wenn man sonst nicht in Clubs oder so geht.“

Paar (Tom, 26): „Um eine bestimmte Zielgruppe, wie zum Beispiel andere gläubige Menschen kennen zu lernen.“

Julius: „Ehrlich gesagt nur aus Mangel an Alternativen – wenn man einige Zeit alleine war, sucht man nach Trost und findet ihn heutzutage ja an jeder Ecke. In allen Formaten und für jede Art Mensch. Ich glaube, dass der online-Hype und die Anzahl der Plattformen sich gegenseitig hochgepuscht haben und jetzt reite ich eben auch auf der Welle mit.“

 

Was erwartet Ihr von den Apps?

Julius: „Viel zu viel. Man sieht ja durch die Auswahl der Profile immer wieder seinen Traum-Typen und wird von denen entsprechend ignoriert. Diese Apps bieten Träume, aber eben nur das.“

Paar (Tom): „Gute Gespräche, neue Bekanntschaften und Austausch unter Gläubigen aus ganz Deutschland.“

Sandra: „Ich habe keine Erwartungen von den Apps, sondern schaue einfach was passiert und was auf mich zukommt. Man kann sein Leben schließlich nicht planen.“

 

Habt Ihr durch eine Dating-App schon eine Beziehung gehabt?

Lena: „Ja habe ich. Eine 3- jährige.“

Julius: „Tatsächlich schon zwei! Die erste peinlicherweise über Grindr, die zweite über Once. Beide hielten aber nicht besonders lang.“

Paar (Janine, 22): „Ich bin immer noch in der Beziehung mit der Internetbekanntschaft.“

Sandra: „Ja, ich hatte schon eine Beziehung durch eine Dating-App, welche ca. 1,5 Jahre gehalten hat.“

 

Was war Euer lustigstes Erlebnis bei der Partnersuche im Internet?

Julius: „Einmal saß ich im Café und trank da gemütlich meinen Kaffee, als auf Grindr das Gesicht eines Kollegen auftaucht. Witzigerweise genau der, der einige Tage vorher mit den vielen Frauen geprahlt hat, die er angeblich schon hatte. Es war aber ein schöner Moment der Bestätigung für mein Gaydar.“

Sandra: „Jemanden dort zu finden, den man schon früher kannte und dann nach langer Zeit über so eine App wiederfindet.“

Paar (Tom): „Meine Verlobte hat mir bei unserem ersten Date die Tür vor der Nase wieder zugemacht. Da dachte ich, was ist denn jetzt los, und dann machte sie aber wieder auf, nachdem sie die Hunde eingesperrt hatte.“

 

Und was war Euer schlimmstes Erlebnis bei der Partnersuche im Internet?

Sandra: „Das mich jemand nach meine Füßen gefragt hat und ein Fußmodel gesucht hat, so ein richtiger Fußfetischist.“

Lena: „Hatte bis jetzt noch kein schlimmes Erlebnis.“

 

Womit kann ein Mann oder eine Frau Euch sofort überzeugen?

Julius: „Mit einem schönen Lächeln oder einem kreativen Text, der aber nicht zu dick aufträgt. Ansonsten hilft Bescheidenheit und ein gewisses Maß an Interesse. Oder wenn er einfach geil aussieht… das ist eigentlich das wichtigste.“

Paar (Janine): „einem netten Gespräch das mich nicht langweilt. Sondern das mein Interesse geweckt wird! Freundliche Bilder, durch die er zum Ausdruck bringt was vielleicht sein Hobby ist!“

Sandra: „Mit einer sympathischen und ehrlichen Art.“

 

Worauf achtet Ihr bei Bildern von Männern im Netz?

Paar (Janine): „Keine Posen! Einfach ein nettes Lächeln, ganz locker und nicht verstellt. So das man auch Persönlichkeit erkennt.“

Paar (Tom): „Bei Bildern von Frauen achte ich als erstes auf das Gesicht und ob sie auf mich sympathisch wirkt.“

Julius: „Auf die prallen Brustmuskeln, die einem fast schon in 3D ins Gesicht springen. Oder das Lächeln. Meistens das Lächeln.“

 

Was würde Euch gar nicht gefallen?

Paar (Janine): „Die konkrete Anfrage ob man Sex mit demjenigen möchte!“

Paar: (Tom): „Direkt intime Fragen, zu aufdringlich, sich lustig machen über einen.“

 

Würdet Ihr die Partnersuche per App bevorzugen oder ist das klassische Kennenlernen im echten Leben nach wie vor eher zu wählen?

Julius: „Ich finde es tausendmal schöner, sich im echten Leben kennen zu lernen. Online fängt fast jede Annäherung mit Hey wie geht’s an. Das finde ich dann auch ziemlich unleserlich – aber es fehlt auch an Alternativen. Man kann ja sonst kaum etwas schreiben, was nicht komisch wirkt.“

Paar (Janine): „Ich mag auch die klassische Form, nur damals hatte sich nichts ergeben.“

Sandra: „Ich würde immer die klassische Form des Kennenlernens bevorzugen, da man hier sofort den echten Menschen kennen lernt und vielleicht nicht durch Fakes enttäuscht werden kann.“

 

Habt Ihr das Gefühl, dass die klassische Form immer weniger wird und es bald nur noch Partnersuche im Netz gibt?

Sandra: „Ich glaube schon das die klassische Form immer weniger wird, aber die klassische Form kann niemals durch die Partnersuche im Netz entsetzt werden.“

Lena: „Ja da bin ich von überzeugt in unserer heutigen Gesellschaft.“

Julius: „Hoffentlich nicht! Aber solange Menschen feiern, in die Arbeit, Vereine oder zu Konferenzen gehen, gibt es ja noch echten Kontakt zueinander, also Hoffnung. Was mir aber ein wenig Sorgen macht, ist wie jeder auf der Straße und in der Bahn nur ins Handy schaut. Da gibt es ja gar keine Möglichkeit mehr, sich so kennen zu lernen.“

 

Und abschließend: Wem würdet Ihr solche Apps empfehlen?

Julius: „Jedem, der Lust drauf hat. Man sollte nur wissen, worauf man sich einlässt. Niemand findet genau das, was er gesucht hat – außer in Ausnahmen. Für schnelle Nummern sind solche Apps auf jeden Fall top, wer nur kurzfristig etwas sucht, wird auch fündig und wenn man herausfinden möchte, ob der Kollege schwul ist, sind Grindr, Tinder und co hervorragende Helfer.“

Sandra: „Einfach Leuten, die offen für sowas sind und sich nicht davor scheuen, sich mit im Grunde fremden Leuten zu treffen.“

Lena: „Leuten, die vielleicht nicht so Selbstbewusst sind und auch Leuten die nicht so viel rausgehen.“

 

Hinweis: Die Namen wurden von der Redaktion geändert.