Gnadenhof Oranienburg muss schließen: das Aus der Tierretter?

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Die Bauaufsicht hat die Nutzung für große Teile des Gnadenhofs Oranienburg untersagt. Grund seien “erhebliche bauliche Mängel”. Sechs Monate gibt man dem Verein, der sich ehrenamtlich um verletzte und ausgesetzte (Wild)tiere kümmert, um die Anordnungen umzusetzen.

Aus bauplanungsrechtlicher Sicht sei der Betrieb der Tierauffang- und Pflegestation auf dem Hof unzulässig, heißt es in der Nutzungsuntersagung der Bauaufsichtsbehörde vom 15. Februar. Notwendige Baugenehmigungen könnten daher auch nicht in Aussicht gestellt werden. Betroffen ist auch eine Scheune, die erst vor kurzem im Rahmen der VOX-Sendung “Harte Hunde” umfangreich saniert wurde.

Schon 2015 hatte es ein Verfahren der Bauaufsichtsbehörde gegen den Gnadenhof gegeben, das wurde aber schließlich eingestellt. Im August 2018 eröffnete das Veterinäramt nach Hinweisen ein neues Verfahren. Der Grund: Es wurden neue Tiergehege und Vogelvolieren gebaut, der Tierbestand hatte sich laut der Behörde zeitweise auf bis zu 200 Tiere erhöht.

Foto: BEnow
Sie sind das Herz des Gnadehofs: Steven und Sanny im großen Garten, wo unter anderem Hühner, Vögel und Kaninchen untergebracht sind (ARCHIV)

Die Betreiber des Hofes sind fassungslos. Mit dem ganzen Hof und allen Tieren umziehen, kommt für Sanny Giese nicht in Frage. Das würde man nicht packen. Ruth Schnitzler will soweit gar nicht erst denken. Für manche Tiere wäre eine Schließung des Hofes das Todesurteil, erklärt sie BEnow.

Rund 170 Tiere befänden sich momentan auf dem Hof. Davon allein 80 Tauben, einige von ihnen mit Behinderungen. Und gerade für die würde man kaum einen neuen Besitzer finden. Auch die drei Schweine wären schwer woanders unterzubringen.

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Gerettet und glücklich: Lilly mussten wegen einer Krankheit beide Augen entfernt werden. Auf dem Gnadenhof findet sie sich trotzdem problemlos zurecht (ARCHIV)

Die Kommunikation mit dem Bauamt habe sich schon länger schwierig gestaltet, erzählt der Verein. So habe man durchaus Bauanträge gestellt, diese seien aber entweder abgelehnt oder sehr lange nicht bearbeitet worden. Doch sicherlich habe man auch selbst Fehler gemacht. Zudem sei man von einem Anwalt teils nicht korrekt beraten worden.

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Mit Transportboxen und eigener kleiner Krankenstation: Das Wildtierrettungsfahrzeug des Vereins ist das ganze Jahr im Einsatz (ARCHIV)

Wenn der Hof in sechs Monaten wirklich dichtmachen muss, könnte das auch das Aus für die Wildtierrettung bedeuten. Jedes Jahr rücken die Ehrenamtlichen bis zu 2.000 Mal mit einem eigenen Rettungsfahrzeug aus, um sich um die verschiedensten Tiernotfälle zu kümmern. Doch ohne eine zentrale Anlaufstelle, wie den Gnadenhof mit Familie Giese, gestalte sich das schwierig, erklärt der Verein. Ob und wie man dann noch weitermachen könne, müsse noch besprochen werden.

Am Dienstag gab es einen weiteren Gesprächstermin mit dem Landkreis. Gelöst ist das Problem danach nicht. Doch wenigstens gibt es Hoffnung: Man habe einen Weg gefunden, der funktionieren könnte und den man nun gemeinsam gehen wolle, so Ruth Schnitzler.

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Auf Rettungsmission: Steven (l.), Ruth (m.) und Sanny (l.) bei einer Familie, die einen verletzten Waschbären gefunden hat. Für das Tier gehts direkt zum Tierarzt (ARCHIV)

Der Verein hat zudem aber auch mit einem Berliner Fachanwalt für Verwaltungsrecht Widerspruch eingelegt und will gegen die Nutzungsuntersagung vorgehen. Kampflos will man den Gnadenhof auf keinen Fall aufgeben. Ob sich eine abschließende Lösung finden lässt, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten herausstellen.

BEnow besuchte die Tierretter im vergangenen Jahr. Sehen Sie hier nochmal unseren Videobeitrag:

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