Mit Buch und Herz – BUCH Berlin 2017

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Und es ist wieder soweit gewesen. Die vierte Berliner Buchmesse BUCH Berlin 2017 lockte am vergangenen Wochenende mehrere tausend Besucher in die Kongresshalle des Estrel Hotels. Egal ob für jung oder alt, Geschichten ließen sich überall finden – und das nicht nur in den Büchern selbst.

Jill Noll zum Beispiel, Fantasy-Autorin von Zwischenwelt – Die Welt zerbricht und Eine Ewigkeit ohne dich, erzählt, dass sie via Self-Publishing ihre beiden Fantasyromane herausgebracht hat. Bei Zwischenwelt, ihrem ersten Roman, hat es sogar zwei Jahre gedauert, da sie sich erst informierte, welche Schritte zum Self-Publishing dazu gehören.

Jill NollFoto: BEnow
Jill Noll

Inzwischen hat sie ein eigenes Bloggerteam, koordiniert durch Jennifer Pauli, um mehr von sich und ihren Geschichten zu verbreiten. Gemeinsam organisierten sie anlässlich des Geburtstages von Zwischenwelt eine BlogtourHier geht es zu Jennifer Paulis Blog.

Dystopien in Deutschland

Dystopien und Science-Fiction sind auf dem deutschen Buchmarkt zwar vorhanden, finden aber nicht allzu großes Interesse bei den Meisten. Trotzdem lassen sich die Schriftsteller/innen nicht davon abhalten, zu schreiben, was ihnen am Herzen liegt. Mika M. Krüger hat eine Dystopie veröffentlicht, die sich vom Young Adult Genre distanziert. Warum? Weil Romantik, die nun einmal im Young Adult Genre vorkommt, die Botschaft der Dystopie sehr unkenntlich machen kann.

Mika Krüger und Stella DenaleyFoto: BEnow
Mika Krüger und Stella Delaney

Anja Buchmann verfolgte für ihren Sci-Fi Dystopie Mix Wer die Lüge lebt die damalige Nachrichtenlage aus aller Welt und ließ sich von der drohenden Flüchtlingssituation inspirieren. Und Sophie Hilger hat sich für ihre Sci-Fi Dystophie Physis an der “Deepwater Horizon”-Katastrophe orientiert. Genug Stoff für gesellschaftskritische Dystopien liegt auf unseren Straßen, jetzt heißt es abwarten, ob noch mehr Autoren ihn entdecken.

Vielfältig verstörend

Dann gibt es noch einen Stand, der so ziemlich aus der breitgefächerten Masse herausstach. Mit Buchcover, die dem Stöberer gleich signalisieren: Nichts für schwache Nerven. Hier finden sich allerlei Horrorbücher, Psycho-Thriller und gewöhnliche Thriller. Michael Merhi, Autor von Candy Girl, erklärt, wie vielfältig das Horrorgenre eigentlich ist. Horrorgeschichten über Zombies sind ein eigene Spate, Geschichten über Geister ein eigenes; es gibt extrem gewaltätigen Horror, wie Saw zum Beispiel, was Hardcore oder Extreme genannt wird und es gibt den Psychologischen Horror. Manche stehen eben nicht auf seichten Horror und wollen das Augenmerk auf die abartigsten Situationen werfen – wie bei einem Film kannst du entweder wegzoomen oder drauf halten und zeigen, wie es wirklich zugeht oder zugehen kann. Man merkt also, dass es gar nicht so leicht ist, Horror einfach Horror zu nennen, geschweige denn Zombies mit Geistern zu vergleichen.

Auf die Optik kommt es an

An einem weiteren Stand diskutierten drei Damen, welche Buchcover ihnen am Besten gefallen. Fröhlich blätterten sie in einem Ansichtsexemplar der Covermanufaktur. Sarah Buhr hat sich nämlich nicht den Geschichten selbst verschrieben, sondern deren optischer Aufmachung. Überwiegend erhält sie Aufträge von Self-Publishern, doch ab und zu erstellt sie auch Cover für Verlage. Aber egal für wen, mit dem Kunden steht sie in engem Kontakt, um die Wünsche optimal umsetzen zu können. Fantasy ist übrigens ihr Lieblingsgenre, um Cover zu entwerfen, denn da kann sie sich nach eigener Aussage am Kreativsten entfalten.

Verrückt!

Das Fantasygenre ist auch vielseitiger, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Maja Köllinger, Autorin vom Fantasyroman Madness, zählt die Unterschiedlichkeiten auf. Es gibt die sogenannte High Fantasy, in der eine völlig neue Welt mit eigener Geographie, Kultur und eigenen Lebewesen erschafft wird. Da ist so ziemlich alles ausgedacht. In der Urban Fantasy vermischen sich unsere “reale” Welt und Fanatsyelemente.

Autorengruppe Eisermann VerlagFoto: BEnow
Gute Laune auch bei der Autorengruppe und dem Geschäftsführer vom Eisermann Verlag

In der Romantasy kommt es eben nicht nur auf die Fantasyelemente an. Hier spielt vor allem die Romantik eine handlungstragende Rolle. M.D. Grand, Autorin von Schatten und Zwielicht, und ihre Social Media Beauftragte Sophie beschreiben Dark Fantasy als keine klassische und blumige Fantasy, sondern als düster. Es kommen keine Helden in strahlender Rüstung vor, viel eher sind diese Helden vom rechten Weg abgekommen, aber trotzdem nicht böse, aber eben dark.

Zwischen Küssen und Magie

Wenn man das Treiben auf der BUCH Berlin ein wenig beobachtet, fällt auf, dass vor allem die Genre Fantasy und Romantik viel Aufmerksamkeit kriegen. Natürlich, denn was eignet sich besser, um der Realität zu entfliehen, als magische Orte und kribbelnde Momente. Trotzdem ließ sich zwischen all der Fantasy und Romantik auch der gute deutsche Krimi finden oder ein nettes Kochbuch. Auch Geschichtliches und Kirchliches, Erotik und Esoterik, Wissensbücher und sogar einen Pummeleinhornstand gab es. Was damit nun auf sich hat, mag sich nicht immer erschließen, aber Vielfalt war geboten und das reichlich.

(Edit: 12.12.2017)