Leider Alltag: Junge terrorisiert grundlos Feuerwehr-Notruf

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Leider Alltag: Unschöne, skurrile, verrückte Situationen, die so in Berlin passiert sind. Ja, Berlin hat viele schöne Seiten. Aber zum Alltag gehören auch die anderen Erlebnisse, die wir in dieser Reihe schildern.

Es ist Unwetter in Berlin. Sturm Xavier fegt über die Stadt und legt den S-Bahn-Verkehr lahm. Einen 16-Jährigen Jungen regt das besonders auf. Abends gerät er am Alexanderplatz außer Kontrolle.

Seit mehr als 4 Stunden sitze ich inzwischen am Alexanderplatz fest. Eine S-Bahn steht noch auf dem Gleis und bietet den Gestrandeten Aufenthaltsmöglichkeiten. Alle, die hier warten, sind inzwischen reichlich erschöpft und müde. Viele haben den ganzen Tag gearbeitet und sitzen am späten Abend immer noch mitten in Berlin fest.

Der Junge, der mit einer befreundeten Rentnerin unterwegs ist, ist ebenfalls am Ende seiner Kräfte. In der stehenden S-Bahn wird er im laufe der Zeit immer lauter. Immer wieder sagt er die gleichen Sätze. Er will nach Hause, will wissen wann es weitergeht – und er will sich beschweren. Das haben inzwischen schon alle anderen Wartenden zu genüge mitbekommen müssen. Alle Versuche der älteren Frau, ihn zu besänftigen, scheitern kläglich.

Doch wann es weitergeht, ist ungewiss. In Berlin herrscht Ausnahmezustand. Die Feuerwehr hat hunderte Einsätze auf der Liste, für die sie noch keine Zeit hatte. Menschen müssen gerettet werden. Das interessiert den Jungen nicht. Er will nur nach Hause. Wütend ruft er mehrfach bei der BVG an. Die kann ihm jedoch nicht helfen, da sie für die S-Bahn nicht zuständig ist.

Der Junge wird ungehalten am Telefon, brüllt in den Hörer. Er fordert, den Vorgesetzten zu sprechen. Und tatsächlich scheint er durchgestellt zu werden. Informationen bekommt er keine. Also ruft er kurzerhand den Feuerwehr-Notruf an. Er hat nur eine Frage: Wann fahren die S-Bahnen endlich weiter?

 

Hallo Feuerwehr? Ich würde gerne wissen, wann die S-Bahnen wieder fahren!

 

Auch sein Gegenüber am Notruf kann ihm das natürlich nicht sagen. Es folgen Telefonate mit der Mutter des Jungen, die (mit einem Auto) zu Hause in einem anderen Stadtteil Berlins wartet. Auch sie kann den Teenager nicht besänftigen, der inzwischen lauthals rumschreit. Er habe ADHS, das sei halt so, sagt er.

Mehrere andere Wartende verlassen genervt die Bahn, andere versuchen ihn zu beruhigen. Ohne Erfolg. Der Sicherheitsdienst ist auf dem ganzen Bahnhof inzwischen nicht mehr zu finden.

Doch bei all dem Theater hätte der Junge jederzeit nach Hause kommen können und das wusste er auch von Anfang an: Mit U-Bahn und Tram wäre es zu diesem Zeitpunkt gegangen. Bloß hätte er dann halt einmal umsteigen müssen. Und das ist ja wohl kaum zumutbar …