Leider Alltag: Der wütende Engländer

Leider Alltag: Unschöne, skurrile, verrückte Situationen, die so in Berlin passiert sind. Ja, Berlin hat viele schöne Seiten. Aber zum Alltag gehören auch die anderen Erlebnisse, die wir in dieser Reihe schildern.

Ob ich eine Zigarette habe, fragt mich der Mann. Ich verneine. Der Mann geht weiter den U-Bahnhof entlang. Bis jetzt ist alles normal. Es ist schon fast Mitternacht und in der Station warten nur drei Leute auf die nächste U-Bahn.

Ende 70 sei er, murmelt der Mann jetzt vor sich hin. Und die jungen Leute hätten gar keinen Respekt mehr. Er wird aufgebracht. Steht von der Bank, auf der er kurz saß, auf und tritt mit dem Fuß in die Luft. Viele unzusammenhängende Satzfetzen, sind aus seiner Richtung zu hören. Halb auf Deutsch und halb auf Englisch. Seine Alkoholflasche ist fast leer. Er lässt sie neben der Bank stehen.

Langsam geht er wieder den Bahnsteig entlang. Wiederholt lauter, dass die jungen Menschen hier keinen Respekt vor ihm hätten. Jetzt fragt er die anderen Fahrgäste nach einer Zigarette. Auch sie haben keine. Der Mann wird persönlich, kommt den Menschen dichter.

Keine Zigarette, aber mit 19 schon ne Brille, schimpft er. Die anderen würden sich für schlau halten, aber wären das nicht. Keine 10 Cent habe man für ihn, aber ein teures Handy in der Hand und Kopfhörer. Immer wieder umkreist er die Wartenden. Man riecht seinen Schweiß.

Dann entfernt er sich wieder. Redet wirre Satzfetzen. Mehrmals stechen Wörter wie “Arier” und “Heil Hitler” hervor. Was genau der Mann meint, bleibt unklar. Aufgebracht ist er immernoch. Dann kommt die U-Bahn. Doch einsteigen tut der Mann nicht.