Kommentar: Rock am Ring – Prügelknabe Polizei

Bühne
Lesezeit: 2 Minuten

Am Freitagabend wurde das Musikfestival „Rock am Ring“ wegen Terroralarm abgebrochen.  Eine Gefährdung der Besucher konnte nicht ausgeschlossen werden. Heute wird das reguläre Programm wieder aufgenommen.

Veranstalter Marek Lieberberg fand kurz nach der Räumung des Festival-Geländes deutliche Worte für die Geschehnisse: „Warum sind wir die Prügelknaben“, fragte er aufgebracht. Beim Fußball sei die Polizei gewillt, trotz Terrorgefahr die Veranstaltung laufen zu lassen, doch bei Rock am Ring nicht.

Es dürfe für Rock am Ring keine Sonderrechte geben, forderte er. Doch wird Rock am Ring wirklich anders behandelt als Fußballspiele?

Nein, nicht wirklich. Es ist nunmal so, dass die Behörden jede Situation neu bewerten müssen. Und auch Fußballspiele sind schon wegen Terrorgefahr abgesagt worden. Sicherlich ist man sensibler geworden. Doch Sonderrechte hat Rock am Ring nicht.

Die Prügelknaben sind wohl kaum die Veranstalter und Besucher von Rock am Ring. Viel mehr sind es die Behörden. Die Polizisten, die versuchen Menschenleben zu schützen und sich damit immer wieder unbeliebt machen und rechtfertigen müssen.

Und dann richtet Lieberberg sich noch an alle Muslime. Er wolle jetzt endlich mal Demos sehen, die sich gegen diese Gewalttäter richten. Jetzt sei die Situation in der sich jeder einzelne dagegen artikulieren müsse. „Es muss jetzt Schluss sein mit This is not my Islam“ fordert er deutlich.

Bei allem Verständnis für die Lage der Veranstalter gestern: Diese Forderung ist nach wie vor falsch. Zum einen gab es bereits Demonstrationen von Muslimen gegen islamistischen Terrorismus. Zum anderen darf es auch hier keine Sonderrechte für verschiedene Gruppen geben. Und dementsprechend müssten auch Deutsche sich dann von nationalsozialistischen Verbrechen distanzieren oder gar Investoren vom BVB-Attentäter.

Auch wenn Lieberberg sich in der Rolle des sonderbehandelten Prügelknaben und die Muslime in der Pflicht, sich von Terrorismus zu distanzieren sieht: Die Entscheidung bei Rock am Ring wurde von der Polizei keinesfalls leichtfertig und ohne hinreichende Anzeichen getroffen. Und aus Prinzip Menschenleben aufs Spiel zu setzen, weil andere Veranstaltungen auch stattfanden, darf nicht der richtige Weg sein.