Morgen leicht bewölkt mit vereinzelt Kugelhagel | Kommentar

Terror Alltag

Paris, Nizza, Würzburg, Berlin, Paris, London, Stockholm, Paris, Manchester, Paris, Paris und jetzt wieder Brüssel. Man könnte meinen, ein Anschlag in Europa gehört in einer modernen Gesellschaft einfach zum Alltag dazu. Wer nicht an seine wöchentliche Portion Betroffenheit denkt, riskiert einen Rückfall in die alten Muster der Sorglosigkeit.

Mit dieser Form der Kriegsführung müssen wir alle erstmal lernen, umzugehen. Unsere Großeltern und deren Eltern hatten jeweils einen Weltkrieg. Deren Kinder dann die Mauer und einen Eisernen Vorhang und wir schließlich – so scheint es – den Weltkrieg des Terrors. Wie beim Spiel „Schiffe versenken“ müssen „die Guten“ im Dunkeln tappen, bis wir mit etwas Glück Teile der gegnerischen Flotte treffen.

Diese besteht heutzutage nur leider nicht mehr aus einem sehr großen Flugzeugträger, sondern aus ganz vielen winzigen Jetskis, die alle mit einer Rucksackbombe ausgerüstet Kurs auf unser Spielfeld nehmen. Wer soll da auch durchblicken? Klar, dass wir, die einfachen Fischer, besorgt sind und immer unruhiger werden. Aber wie sollen wir mit der ständigen Bedrohung umgehen, ist die komplette Abschottung die Lösung? Die Stigmatisierung ganzer Völkergruppen? Oder doch lieber eine „Willkommenspolitik“, die prinzipiell jedem eine Existenz in Frieden verspricht?

Keep calm and carry on?

Auf beiden Seiten gibt es genügend Pro-Aktivisten, aber auch Gegner – warum genau?
Das vielzitierte „keep calm and carry on“ scheint zwar für viele zum Mantra geworden zu sein, glücklich wird dadurch aber keiner. Jeder trägt in sich die Erwartung, dass jeden Moment irgendwo in unmittelbarer Nähe wieder etwas furchtbares passieren könnte.

Aber welcher ist nun der richtige Weg? Wie gehe ich damit um, dass ein Bekannter, Freund, Familienangehöriger grundsätzlich zur falschen Zeit am falschen Ort sein kann, zuhause wie im Urlaub? Die Antwort auf all diese Fragen ist eindeutig und klar: Keine Ahnung.

Eindeutig und ganz klar ist aber auch, dass sich etwas ändern muss. Nicht, dass unsere Regierungen mehr Ziele bombardieren oder mehr Soldaten auf unsere Weihnachtsmärkte beordern sollten. Auf lange Sicht führt das bestimmt nicht zur Lösung. Warum suchen wir aber nicht näher bei uns? Miteinander statt WhatsApp. Mithelfen statt Zuschauen. Versuchen, zu verstehen. „The world is a mess“, sagt Donald Trump. Aber warum, das kann er nicht erklären. Und das Gegenteil zu beweisen fällt den meisten von uns auch schwer. Warum gibt es denn überhaupt Terror? Wer sind diese Leute, die versuchen, uns auseinander zu treiben? Was bringt sie dazu?

Jeder von uns kann einen Beitrag leisten

Keiner von uns wird eine Antwort auf alle diese Fragen haben, dafür sind die Antworten zu vielschichtig und verstrickt. Aber jeder von uns kann seinen Beitrag leisten – und alleine der Versuch ist schon viel wert. Versuchen zu verstehen, was einen Menschen treibt, ist ein gigantischer Schritt in die richtige Richtung. Wer die Ursache kennt, kann das Problem gezielt angehen.

So, genug der Revolution. Am Ende liegt es an jedem selbst. Aber: Mein Ziel für mein Leben ist es, der Welt ein schönes Geschenk zu machen. Ich kann schon weit im Voraus anfangen, mir Gedanken und Mühe machen, damit es am Ende DAS Geschenk schlechthin wird. Wie die vielen Männer und Frauen, die Tag für Tag ihr Leben im Einsatz riskieren, um anderen zu helfen. Oder ich gebe einfach nur etwas, das mir wichtig ist, weiter. Eine nette Geste, ein kleiner Ring, ein Versprechen. Wohin das führt? Keine Ahnung.

Aber das große Ziel sollte sein, dass eines Tages unsere Kinder nicht aus der Schule nach Hause kommen, um zu erzählen wer denn heute alles gestorben ist. Jeder will die Welt verbessern – und jeder kann es. Tod und Schrecken sind leichter zu erreichen als Bildung, Frieden und Gesundheit. Ein Lächeln reicht aber schon als Anfang. Alles darüber ist freiwillig.

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