Kommentar: Die Welt erstickt am Plastik und wir sehen zu

Mülltonnen

Plastik, Plastik und noch mehr Plastik – soweit das Auge reicht. Das Abfallprodukt ist im Boden, im Meer, in Seen, Flüssen, im Magen von Fischen und sogar im menschlichen Körper. Plastik ist ein echtes Problem. Das ist bekannt. Aber ändern wir auch genug?

Mehr als acht Milliarden Tonnen Plastik haben wir Menschen in den letzten 80 Jahren produziert. Und Jedes Jahr entsteht immer mehr Plastikmüll, der auf natürlichem Weg nicht abbaubar ist. Der Umstieg auf ein verpackungsfreieres Leben ist mehr als nötig. Für die Umwelt und auch für uns selbst.

Verpackungsfreie Supermärkte und Zero-Waste-Restaurants klingen fürs erste toll und man könnte denken, wir Menschen würden umweltbewusst leben. Aber das stimmt so nicht ganz.

Vor allem in asiatischen Ländern wie Indonesien wachsen die Abfallberge. Denn dort gibt es keine Gesetzte oder private Unternehmen, die sich um das Plastikproblem kümmern. Der Müll wird einfach vergraben oder landet im nächsten Fluss.

Hauptsache billig und bequem

Auch bei uns in Deutschland herrscht eine Plastikkrise. Coffe-to-go-Becher sowie zahlreiche Plastiktüten landen immer wieder im Müll.

Obwohl wir nun in den meisten Kaufhäusern für unsere Tüten Geld zahlen müssen, denken immer noch zu wenige daran, eine eigene Tasche mitzunehmen. Zusätzlich gibt es viele Produkte mit Verpackung zu kaufen, obwohl diese gar nicht nötig wären. Aber den meisten ist es egal, ob das  Stück Fleisch oder die Gurke eingepackt ist, Hauptsache sie sind billig.

Eine Welt ohne Plastik: Unvorstellbar? – ich glaube nicht: Im Supermarkt findet man jetzt sogar hartgekochte und geschälte Eier in einer Plastikverpackung. Ist das nicht zu viel des Guten? Wo bleiben die Zeiten, an denen man seine Frühstückseier noch selber gekocht hat?

Die Menschen sind zu bequem und das zeigt sich schon beim Einkaufen im Supermarkt. Gemüse oder Brötchen lose zu kaufen, wäre ein größerer Aufwand, als verpackt in Folie. Würde die Verpackung plötzlich etwas kosten, dann wäre die lose Ware ohne Verpackung wieder konkurrenzfähig.

Damit unser Essen schnell auf dem Tisch landet, bauen wir Menschen viele Gemüse und Obstsorten in Gewächshäusern an. Auch auf den Feldern wird viel angebaut und auch dort wird auf Plastik nicht verzichtet. Spargel und Erdbeeren reifen unter meterlangen Plastikplanen. Umweltschonender wäre auf jeden Fall, den Spargel und die Erdbeeren einfach ohne weiße Plastikzelte anzubauen. Dann müssen wir uns eben etwas mehr gedulden, bis sie in unseren Mägen landet.

Wohin mit dem Plastik?

Jahrelang hat China, zusätzlich zum eigenen Abfall, den europäischen Müll gekauft. Doch jetzt ist Schluss mit dem Import von Plastikabfall, denn China möchte die Umwelt schützen. Was passiert nun mit dem ganzen Plastikmüll? Verbrennen wäre eine Möglichkeit, aber das ist nicht gut für die Umwelt. Recyceln wäre wesentlich teurer und würde das in der breiten Masse genügend Rückhalt finden?

Das Land ohne Plastiktüten

Sauberkeit und Umweltschutz sind hier oberstes Gebot: In Ruanda und Kenia herrscht Plastikverbot. Ruanda zählt damit zu den saubersten Staaten Afrikas und das nicht ohne Grund. Seit 10 Jahren gilt hier das Plastikverbot. Im nicht weit entfernten Kenia herrschen herrschen sogar strenge Regeln im Bezug auf Plastiktüten. Wer mit einer Plastiktüte erwischt wird, muss bis zu 37.000 Euro Strafe zahlen oder im schlimmsten Fall für vier Jahre ins Gefängnis.

Brauchen wir eine Plastiksteuer?

Die EU-Kommission könnte bald eine Steuer auf Plastikmüll erheben. Eine Plastiksteuer könnte uns tatsächlich weiterhelfen. Denn sie packt die Konsumenten dort, wo es für sie am schmerzhaftesten ist: am Geld.
Doch auch wenn Plastiktüten, To-Go-Becher und dergleichen abgeschafft werden, bleibt trotzdem ein Problem: Wohin mit dem restlichen Müll? Riesiger Plastikmüll-Teppiche, die im Meer schwimmen, Fische und Enten, die an verschlungenen Plastiktüten verenden und vermüllte Traumstrände werden nicht einfach so verschwinden.

Ein plastikfreies Leben

Wer ganz auf Plastik verzichten möchte, hat es gar nicht so schwer. Denn vieles gibt es schon zu kaufen. Mit einem Leinenbeutel im Supermarkt ist man immer auf der sichersten Seite. Außerdem gibt es noch Zahnbürsten aus Bambus und Shampoo als Haarseife zu kaufen. Viele Märkte besitzen hinter dem Kassenbereich eine Recycling-Stelle, in der Verpackungen vor Ort gelassen werden können. So wird der Plastikmüll zumindest fachgerecht entsorgt. Aber es gibt auch Supermärkte, in denen man komplett verpackungslos einkaufen kann.

Auch wenn wir mit der Plastiksteuer ein Schritt näher am Ziel einer plastikfreien Welt wären, so müssen wir Verbraucher anfangen ernsthaft über das Plastikproblem auf der Welt nachzudenken. Auch wenn wir nicht die Welt vor Müllbergen retten können, können wir unser Leben plastikfreier Gestalten und Lebensmittel ohne Verpackung kaufen. Zudem kann man aus Glasflaschen trinken oder ganz auf Leitungswasser wechseln.

Ruanda sollte uns in diesem Fall als Vorbild dienen. Wir müssen wegkommen von der Bequemlichkeit und etwas für unsere Zukunft tun. Jeden Tag, auch in der vermeintlich kleinsten und unbedeutendsten (Plastik-)Sache.