Gut zu wissen: Was ist Klärschlamm?

Lesezeit: 2 Minuten

Unser täglicher Toilettengang – eine Rohstoffquelle? Im Schnitt verbringt ein Mensch ein Jahr seines Lebens auf der Toilette. Unser Kot hat eine lange Reise hinter sich, bis er in der Abwasserreinigung landet.

Dort entsteht ein ganz besonderes Abfallprodukt: Klärschlamm. Rund zwei Millionen Tonnen kommunaler Klärschlamm wird jedes Jahr in Deutschland produziert. Aber was ist Klärschlamm überhaupt?

Klärschlamm ist ein Abfallprodukt, das bei der biologischen Abwasserreinigung in Klärwerken anfällt. Er besteht ungefähr aus 50-70% aus organischem Material, während der als umweltschädliche Rest vor allem aus Schwermetallen und organischen Belastungen und halogenierten Kohlenwasserstoffen zusammengesetzt ist. Die Menge und Konzentration der Schadstoffe verhindert oftmals die landwirtschaftliche Verwertung. In der Regel beinhaltet Klärschlamm (unbelastet) Kohlenstoff (50-70%), Wasserstoff (6,5-7,3%), Sauerstoff (21-24%), Stickstoff (15-18%), Phosphor (1-1,5%) und Schwefel (0-2,4%).

Wie wird Klärschlamm entsorgt?

Durch die Klärschlammverordnung (AbfKlärV) und die Düngemittelverordnung (DüMV), die es in Deutschland gibt, werden drei Möglichkeiten der Klärschlammentsorgung zugelassen:

  1. Die thermische Entsorgung von Klärschlamm erfolgt Verbrennung in Kohle- und Müllheizkraftwerken oder Zementwerken. Der Schlamm muss jedoch zunächst energetisch aufwendig getrocknet werden, bevor er mit anderen Stoffen zur Energiegewinnung verbrannt wird. 2016 wurden laut Statistischem Bundesamt fast 65% der angefallenen Klärschlammmenge durch thermische Entsorgung geregelt.
  2. Bei der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung wird unbelasteter Klärschlamm als organischer Dünger auf landwirtschaftlichen Flächen, z.B. Feldern, aufgetragen. Vorher ist eine nach AbfKlärV und DüMV festgelegte qualifizierte Schlammanalyse notwendig. Der Nutzen: Die Nährstoffe im Klärschlamm erhöhen sowohl den Nährwert der Böden als auch das Pflanzenwachstum.
  3. In der landbaulichen Entsorgung von Klärschlamm wird dieser zum Beispiel kompostiert und als Bodensubstrat verwendet. Das kann bei der Rekultivierung von Abfalldeponien oder auch im Landschaftsbau der Fall sein.

Nützlichkeit von Klärschlamm

Laut Berliner Wasserbetriebe sei Klärschlamm eine „hervorragende Energiequelle.“ In Faultürmen lässt sich durch Mikroorganismen aus Klärschlamm Biogas erzeugen, das als Substitut (Ersatz) von Erdgas dient. Mit diesem Biogas werden Blockheizkraftwerke befeuert, die neben Strom auch die Abwärme liefern, mit der schließlich wieder die Faultürme beheizt werden. Der Klärschlamm wird anschließend zu Kraftwerken geleitet, in denen er verbrannt und somit zur Stromerzeugung genutzt wird. Die Berliner Wasserbetriebe geben an, dass durch Faulgas in ihren Klärwerken jährlich ca. 51 Mio. KWh Strom erzeugt werden können.