Der moderne Widerstand – Heute ist alles viel einfacher | Glosse

Mann vor Feuer
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Heute ist ja vieles viel einfacher geworden. Anstatt extra in die betreffende Stadt zu fahren, um gegen etwas zu protestieren, macht man das einfach irgendwo. Und nicht mal warten bis die Veranstaltung begonnen hat, muss man noch. Bringt nichts? Doch auf jeden Fall. Das ist Fakt. Und wer etwas anderes sagt ist Fake News. Ganz einfach.

Denn wussten Sie schon: Das Internet ist die Wurzel allen Übels. Genauer gesagt, die Daten. Und wussten Sie auch: Die Bahn ist wichtigster Verteiler dieser Daten. Also liegt es doch nahe, die Versorgungsschächte der Bahn anzuzünden. Und damit den Fluss der bösen Daten zu stoppen.

Kollateralschaden, der doch sonst immer so vehement abgelehnt wird, spielt hier für die mutigen Aufständler keine Rolle. Manche würden jetzt sagen, es habe gar keinen Kollateralschaden gegeben. Weil die Aktion ihr eigentliches Ziel völlig verfehlt und sich ausschließlich gegen unschuldige Zivilisten gerichtet habe. Alles Lügen.

Und haben Sie nicht auch schon mal auf dem Rückweg von einem nächtlichen Brandanschlag darüber nachgedacht, dass ihre Kopfsteinpflaster-Straße mal erneuert werden müsste? Kein Problem. Nehmen Sie einfach über ein paar Monate immer wieder alle Pflastersteine heraus und bewerfen Sie damit vorbeifahrende Polizeiautos.

Alles was übrig bleibt am besten in Einkaufswagen auf dem Hinterhof lagern. Es wird nur ein paar Tage dauern, bis die Stadt ihnen Nachschub liefert und schön ordentlich wieder auf der Straße anordnet. Dann geht das Spiel von vorne los. Zwar müssen Sie im Laufe der Zeit mit Lärmbelästigung durch Polizeihubschrauber, eingetretenen Türen und ungebetenen Besuchen vom SEK rechnen, doch die Strapazen werden sich auszahlen.

Die Stadt wird zu dem Schluss kommen, dass man ihnen ihr Spielzeug wegnehmen sollte. Und eines morgens wachen Sie auf und vor ihrer Tür wurde alles frisch asphaltiert. Polizisten passen sogar darauf auf, dass niemand Fußabdrücke auf dem neuen Teer hinterlässt. Was für ein Service.

Und es kommt noch besser. Sie werden erstmal keine Angst vor Diebstählen haben müssen. Denn die Polizei wird dauerhaft zuvorkommende Wachmänner in ihrer Straße postieren. Zwar belegen die ein paar Parkplätze, aber es sind dennoch immer noch mehr da als früher. Denn beim Steinewerfen wurden ganz nebenbei so viele zivile Autos zerstört, dass Autovermietungen eine Sperrzone für Ihre Straße eingerichtet haben.

Jetzt kann man mit seinem Luxus-Fahrrad also ganz bequem direkt vor der Haustür auf der Straße parken. Unter den wachsamen Augen der Beamten. Und auf dem schönen neuen Asphalt. Da werden sich auch alle Verbündeten freuen, die zur Feier des erfolgreichen Aufstands zu Besuch kommen. So lässt es sich im Widerstand doch leben. Heute ist wirklich alles viel einfacher.

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