>Geniale Dilletanten

Lesezeit: 2 Minuten

Kennen Sie eigentlich Kartoffelschälmaschine, Die tödliche Doris, Die Gehirne oder Deutsch Amerikanische Freundschaft (D.A.F.)? Wenn nicht, dann sagt Ihnen der Begriff „Punk“ doch sicherlich etwas. Dieser individuelle Ausdruck zumeist jugendlicher Proteste gegen die bürgerliche Gesellschaft. Punks erkennen wir heute an ihrer auffälligen, frivolen Kleidung, den bunten Haaren und ihrem „unangepassten“ Verhalten, um einmal Googles Erklärung aufzugreifen.

In diesem Muster und doch ganz anders als das englische Original setzte sich bereits Ende der 1970er Jahre diese Subkultur im geteilten Deutschland durch. Egal ob Ost oder West, Punks gab es auf beiden Seiten und ihr Merkmal? Man musste nicht künstlerisch veranlagt sein, weder in der Musik- noch in der Malerei- oder Theaterszene. Wichtig war den Akteuren und Akteurinnen, dass man selbst etwas geschaffen hat. Ganz nach dem Motto: Do it yourself. So gründeten sich vor allem im Westen unabhängige Plattenlabels, Magazine, Galerien und Clubs, während man sich in Kunsthochschulen zu schockierender Ästhetik inspirieren ließ. Hauptsache frei und nach eigenen Gedanken. Im Übrigen fand 1981 im Westberliner Tempodrom ein Festival statt, dass der westdeutschen Subkultur ihre falsch geschriebene Bezeichnung gegeben hat: Geniale Dilletanten.

Im streng geregelten Osten dachte man sich ebenfalls den bisher bestehenden Rahmen der bildenden Kunst zu sprengen, provokante Texte zu schreiben, Performances und Theaterstücke zu inszenieren und im Super-8-Filmformat alles festzuhalten, um vom SED-Staat und dem Künstlerverband auch ja als unangepasst zu gelten. Künstlergruppen wie Kartoffelschälmaschine, Die Gehirne, Pfff…, AG Geige, Ornament und Verbrechen oder Die Strafe erzeugten mit ihrem Klangspektrum zwischen Free Jazz, Anarcho Jazz, Free Style, Noise, Punk und Neue-Deutsche-Welle-Elektro einen radikalen Normbruch. Mit wilden Gesten, entsetzlichen Auftritten und brisanten innerkünstlerischen Erkundungen, welcher Form auch immer, provozierten Künstler/innen wie A.R. Penck und die Gruppe Lücke frequentor, Helge Leiberg, Klaus Hähner-Springmühl, Christine Schlegel oder auch die Dresdner Autoperforationsartisten ihr Publikum.

Wenn Sie nun neugierig sind, was denn diese sehr individuellen Künstlergruppen nun genau geschafft haben, scheuen Sie sich nicht, dem Dresdner Albertinum einen Besuch abzustatten. Denn genau dort sind die Genialen Dilletanten noch bis zum 19. November ausgestellt und warten darauf, dass ihre künstlerischen Ausdrücke beschaut und kritisiert werden. Mit Klanginstallationen, Dokumentationen, Bildmaterial, ausgestellten Instrumenten und Texten kann man dort in die Subkultur der 1980er Jahre eintauchen und Punks jenseits vom Klischee erleben.