Funke Media – Ein Modell für die Zukunft?

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„Die Frage, wie man auch in Zukunft mit Journalismus Geld verdienen kann, wird für unsere Branche überlebenswichtig sein“, davon ist Jörg Quoos, Chefredakteur der Funke Zentralredaktion, überzeugt. Funke ging aus der ehemaligen WAZ-Mediengruppe hervor und umfasst heute neben der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung auch andere renommierte Lokalmedien, etwa die Berliner Morgenpost oder das Hamburger Abendblatt.

Die Studiengruppe „Journalismus 2017“ der DEKRA Hochschule für Medien durfte jüngst die Berliner Redaktionsräume der Zeitungsgruppe besuchen. Dass nun alle überregionalen Nachrichten von hier kommen, ist für Quoos ein entscheidender Vorteil. In den letzten drei Jahren sei es durch die Bündelung von Ressourcen gelungen, zur meistzitierten Regionalzeitungsgruppe in Deutschland aufzusteigen.

Nicht zuletzt sei es nun einfacher an gefragte Interviewpartner, etwa Bundespräsident Steinmeier oder Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, zu kommen und mit überregionalen Zeitungen in Konkurrenz zu treten. „Solche Gesprächspartner kann nicht jeder generieren“, so Quoos.

Die gedruckte Auflage geht jedoch bei Funke wie auch bei anderen Zeitungsverlagen seit Jahren teils massiv zurück, im Ruhrgebiet und in Thüringen seit 1998 um mehr als die Hälfte. Wie kann ein Medienkonzern auf einen solchen Abwärtstrend reagieren? Laut Jörg Quoos zunächst durch eine Änderung des digitalen Geschäftsmodells: „Es war ein großer Fehler, zunächst alles kostenlos anzubieten. Es hätte schon vom ersten Tag an Geld verlangt werden müssen.“

Er ist sich aber nicht sicher, ob alle Inhalte hinter einer Paywall verschwinden sollten, wie dies bei einigen US-Zeitungen der Fall ist: „Die Amerikaner sind da einfach zahlbereiter.“ Trotz der Sorgen um die wirtschaftliche Zukunft des Journalismus spricht sich Quoos für eine strikte Trennung von Redaktion und kaufmännischem Bereich aus. Es gäbe bei Funke eine „strikte Trennung“ zwischen Journalisten und Anzeigenbereich, eine Grundhaltung, die auch von der Geschäftsleitung und den Eigentümern unterstützt werde.

Auch würden nahezu alle beruflichen Reisen von den Redakteuren selbst bezahlt. Für die Zukunft wünscht sich Quoos, dass Journalisten einen kritischen aber respektvollen Umgang mit der Politik pflegen und ihre Leser ernstnehmen. In der Vergangenheit sei man zu oft bevormundend aufgetreten.