Filmkritik “Anna”: Die Film gewordene Matroschka

Eine arme Frau aus Moskau, die es in ihrem Leben nicht einfach hat. Doch 1990 soll sich für Anna (Sasha Luss) alles ändern. Denn die junge Frau hat ein unverkennbares Talent: Mit ihren strahlend blauen Augen und ihren markanten Gesichtszügen passt sie perfekt in die Welt der Models.

In Paris macht Anna Karriere vor der Kamera. Doch das allein wäre noch kein Agenten-Thriller. Im Hintergrund sind längst der KGB und die CIA im Spiel. Das junge, bildhübsche Modell entpuppt sich als geschickte und clevere Agentin, die vermeintlich unmögliche Aufträge auszuführen vermag. Für Anna aber ist das kein Leben, was sie länger führen möchte. Sie hat andere Pläne. Doch die sind nicht leicht umzusetzen.

“Anna” ist ein zweistündige Action-Thriller, der zu Beginn anmutet wie ein Werk, das lieber ein Zeitreisen-Film geworden wäre. Teils unverständliche, abrupte und anfangs undurchsichtige Zeitsprünge stellen den Zuschauer auf die Probe und ließen dem ein oder anderen Kino-Besucher ein genervtes Stöhnen entfleuchen. Doch genau diese anfangs verwirrenden Wechsel machen am Ende den Reiz des Films aus.

Spätestens ab der Hälfte des Films scheint sich alles zu fügen und etwaiger zuvor aufgebauter Unmut verfliegt. Auch dann ist der Film noch immer für die ein oder andere Überraschung gut. Wer die erste, teils etwas langwierige Hälfte übersteht, wird am Ende mehr als belohnt.

In “Anna” wechseln sich ruhige, auch mal tiefergehende Szenen, mit rasanter Action recht ausgeglichen ab. Auch für den ein oder anderen Lacher ist Platz. Dennoch erscheinen manche Stellen langatmig, selbst bei Action-Szenen hätten die Macher sich manchmal etwas kürzer halten können, in manchen Zweikämpfen hätte nicht jeder Zug derart ausgespielt werden müssen.

Ein guter Film, in dem mehr steckt als man vermutet. Geeignet für alle, die Agenten, Action, Thriller und starke weibliche Hauptrollen mögen. Nicht geeignet für die, die kein Blut sehen können oder Filme mit durchweg klar verständlicher Handlung bevorzugen. Wer Zahlen liebt sollte mitzählen, wie viele Tote und wie viele Tote durch Kopfschüsse “Anna” hinterlässt. In diesem Punkt könnte der Film eine beträchtliche Zahl hervorbringen.

Fazit: 8/10