Brexit: Was wird aus den EU-Studenten in Großbritannien?

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Ein Studium im Ausland an einer guten Universität, wo man seine englischen Sprachkenntnisse perfektionieren kann und Freude an einer anderen Kultur hat, Zuhause ist und trotzdem mit dem Flugzeug gut erreichbar. Das ist der Traum vieler junger Erwachsener, die sich für ein Studium entscheiden müssen. Die Vorteile klingen nahezu perfekt, gerade wenn man bedenkt, dass im schottischen Teil Großbritanniens Studiengebühren für Europäer komplett entfallen. Aber wie lange noch? Was muss man als Student in der UK nun nach dem Brexit beachten? 

Die Zahlen sind deutlich: Im Jahr 2016 sind die Zahlen der Bewerbungen an britischen Universitäten gesunken, die Anzahl der Bewerbungen deutscher Studenten um einiges mehr. (Zahlen der unabhängigen Bewerbungsagentur UCAS). Die Folgen des Brexits schrecken zunächst ab. Alle Bewerber der Jahrgänge bis zum Wintersemester 2019/2020 haben keine Konsequenzen zu fürchten. Auch die Finanzierung der Teilnehmer das Erasmus-Programms bis 2020 abgesichert, so das British Council. Danach werden wohl die Karten für EU-Studenten neu gemischt. Wie das jedoch aussieht und ob es sich dann überhaupt noch lohnt, in der UK zu studieren, ist eine komplett andere Frage. Wie geht es jedoch dabei den Studenten?

“Oh Dear, I’m going to be in trouble”

Benjamin ist 21 und studiert seit fast drei Jahren Unternehmensrecht (Law & Business) an der University of West Scotland in der Nähe von Glasgow, Schottland. Als EU-Bürger genießt er an seiner Universität ein besonderes Recht: EU Bürger sind an schottischen Universitäten von den Studiengebühren befreit. Was denkt er über seine Zukunft in Bezug auf den Brexit? “Oh dear, I’m going to be in trouble.” Das war sein erster Gedanke, den wohl auch viele andere EU Studenten haben. ”Als ich jedoch realisiert habe, dass Schottland hauptsächlich für die EU gestimmt hatte, war ich ein wenig erleichtert”, erzählt Benjamin.

Benjamin Lewerenz studiert Unternehmensrecht in Schottland

Verständlich, da viele Schotten sich auch lange nach dem Brexit für die Unabhängigkeit des Landes einsetzen, alleine als Land wieder in die EU einzutreten. Wird der Brexit jedoch nach 2020 für die Studenten Folgen haben? “Definitiv”, meint Benjamin, “Insbesondere, weil ausländische Studenten nicht mehr wie einheimische Studenten behandelt werden müssen, das wird Studenten anderer Herkunft mit Dingen wie höheren Studiengebühren betreffen”. Ihn persönlich treffen die Auswirkungen nur wenige Monate vor seinem Bachelor-Abschluss. Das einzige, was ihn ein wenig Sorge bereitet, sind die Monate und die Zeit, wenn er für seine Abschluss- Zeremonie wiederkommt. Unter den Studenten bleibt der Brexit wohl ein Thema, gerade unter Erasmus Studenten.

“I think Scandinavia is a great alternative, as they do a lot of English degrees as well”

Benjamins Prognose ist klar: “Es wird wahrscheinlich nicht schwieriger sein an den Universitäten aufgenommen zu werden, jedoch wird es mit höheren Studiengebühren schwieriger sein, dort zu leben”. Städte wie London oder Schottland Edinburgh haben schon jetzt hohe Mieten und Lebenshaltungskosten.

Würde er trotz der Folgen Freunden empfehlen, in der UK bzw. Schottland zu studieren oder gar es selbst nochmal machen? “Das kommt sehr auf das Fach an. Für Studenten, die an Geschäfts- und Ingenieurwesen interessiert sind, ist es immer noch eine gute Idee, denke ich. Außerdem haben sie ein hohes Ansehen” Womit er wohl Universitäten wie die “University of St. Andrews” meint, an der selbst das britische Königshaus studierte und sich einst William und Kate kennenlernten. “Ich finde Skandinavien ist eine gute Alternative, da sie auch einige Englische Studiengänge anbieten.

Was sind nun die konkreten Auswirkungen für EU Studenten in Großbritannien? Noch haben Studenten bis 2020 keine Auswirkungen zu fürchten. Studenten in England werden nach wie vor wie heimische Studenten gefördert, Studenten in Schottland sind bis 2020 von den Studiengebühren befreit. Die Zukunft, die Studenten nach 2020 in der UK erwartet, ist jedoch noch ungewiss.