Berliner Hundegesetz: 2018 kommt die Leinenpflicht

Das neue Berliner Hundegesetz beschäftigt zurzeit viele Berliner. Es kommt immer häufiger zu Konflikten zwischen Hundehaltern und Nicht-Hundehaltern.

Berliner Bürger fühlen sich in vielerlei Hinsicht durch Hunde gestört: Hunde beschmutzen die Fußgängerwege mit Hundehaufen, bellen laut und springen den Passanten beim Toben im Park zwischen die Füße. Werden diese Situationen bald Vergangenheit sein oder wird es immer Konflikte zwischen Hundehaltern und Nicht-Hundehaltern geben?

2016 wurde das neue Hundegesetz beschlossen

Das Berliner Abgeordnetenhaus hat am 23. Juni 2016 das neue Hundegesetz beschlossen. Seine Regelungen sind erst teilweise in Kraft gesetzt worden. Im Vorfeld gab es den sogenannten „Bello-Dialog“, um zunächst Betroffene und Experten anzuhören und dann eine sinnvolle Verordnung zu schaffen. Das neue Berliner Hundegesetz beinhaltet, dass Hunde nicht mehr einfach auf Flohmärkten gekauft werden können. Anstatt die Rasseliste abzuschaffen, wurde die Zahl der Rassen von zehn auf drei reduziert. Das Mitführen von Kotbeuteln ist Pflicht für jeden Hundehalter.

2018 kommt die Leinenpflicht

Mit Hilfe eines Wesenstests können Hunde, die bislang als gefährliche Hunde galten, als nicht mehr gefährlich eingestuft werden. Geplant ist für 2018 ein zentrales Hunderegister, in dem alle Hunde und deren Besitzer erfasst werden. Auch bei den sogenannten „Dogwalkern“, die einen Hundeausführservice betreiben, wird es mehr Richtlinien geben. Auch wird eine allgemeine Leinenpflicht in der Öffentlichkeit für alle Hundebesitzer bindend sein. Bisher müssen Hunde nur auf belebten Plätzen, Haupteinkaufsstraßen und Grünanlagen angeleint sein, nun soll dies überall gelten – außer in Auslaufgebieten.

Spätestens ab Januar 2018 soll die allgemeine Leinenpflicht für Hunde in Berlin gelten. Wenn sich alle Hundehalter an das alte Gesetz gehalten hätten, wären die neuen Regelungen nicht nötig, hört man von vielen Hundefreunden. Das neue Hundegesetz soll für die öffentliche Sicherheit aller Bürger sorgen.

Der Hundeführerschein ist die Lizenz zum Freilauf

Es ist kalt und die bunten Blätter liegen auf dem Boden – zwei Hunde spielen miteinander zwischen den Bäumen im Park und es ertönt freudiges Bellen. Das freie Herumlaufenlassen von Hunden in Parks wird bald fast überall verboten sein. Einen Spaziergang nur mit angeleintem Vierbeiner können sich die meisten Hundebesitzer nicht vorstellen. Wer jetzt denkt, seinen Hund niemals in der Öffentlichkeit von der Leine lassen zu dürfen, liegt falsch. Hundebesitzer können mit Hilfe eines Hundeführerscheins die Leinenpflicht für ihren Hund aufheben lassen.

Der Hundeführerschein ist laut Gesetz eine Sachkundeprüfung, bestehend aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Die Prüfung wird auf eigene Kosten bei einem Sachverständigen abgelegt. Der Hundehalter soll durch den Hundeführerschein nachweisen können, dass er seinen Vierbeiner so führen kann, dass von ihm keine Gefahr ausgeht. Einfach hört sich das nicht an.

Der Hund wird immer mehr Mitglied der Familie. Er ist eher ein Partner fürs Leben, ein Kuschel-Kumpel für die Couch, ein Haustier, dem man die unterschiedlichsten und verrücktesten Tricks beibringen und der sogar über die Einsamkeit hinweghelfen kann. In Berlin leben ca. 104.000 gemeldete Hunde. Die Stadt wird zur Hundehauptstadt und Hundeschulen und Hundetagesstätten boomen.

Nicht alle Hundebesitzer sind begeistert

Hundesitter Heiko Pistorius (39) von der Hundetagesstätte „Lotte & Nino“ in Berlin-Lichtenberg macht sich Sorgen. Er sagte, dass durch die Leinenpflicht die Leinenaggressionen von Hunden wachsen wird. Es fehle den Hundebesitzern die Konsequenz und die Geduld, ihren Hund richtig zu erziehen. Folgen sind eskalierende Situationen zwischen den Vierbeinern und die zwischen Mensch und Tier.

Hundefreunde sollten laut Heiko Pistorius erstmal anfangen, die Sprache ihrer Hunde zu verstehen. Häufig beobachtet Heiko Pistorius bei seinen Kunden fehlendes Durchsetzungsvermögen und einen antiautoritären Erziehungsstil. Seiner Meinung nach sollte jeder Mensch, bevor er sich einen Hund anschafft, einen Sachkundenachweis in Form eines Hundeführerscheins vorlegen. Denn richtige Erziehungsmethoden reduzieren Aggressions- und Angstverhalten bei den Hunden.

Weniger Hundeattacken durch Leinenpflicht?

Durch das neue Berliner Hundegesetz sollen Unfälle und Hundeattacken in einem gewissen Prozentsatz reduziert werden. Die Anzahl der Hundeattacken in Berlin ist in den letzten Jahren bereits gesunken. 2016 gab es noch 576 derartige Angriffe. Es gibt weniger eskalierende Situationen mit dem Hund in öffentlichen Verkehrsmitteln, da dort Maulkorbpflicht und Leinenzwang herrscht. Junge Hunde können durch den Leinenzwang unterfordert sein und dadurch Aggressionsverhalten entwickeln. Trotzdem kann durch die Leinenpflicht die Leinenführigkeit beim Hund verbessert werden.

Viele Hundebesitzer fühlen sich unter Generalverdacht gestellt, da die vorhandenen Gesetzesregelungen nur Hunde betreffen und andere Haustiere außen vorlassen. Psychotherapeutin Claudia Köppen (48), Halterin einer weißen Mischlings-Hündin, bemerkte, dass sich immer mehr Hundebesitzer durch die Schließung von Auslaufgebieten in Berlin nicht mehr willkommen fühlen. Wo kann sie später noch mit ihrer Hündin „Alma“ spazieren gehen, fragt sie. Muss sie erst viele Stationen mit der S-Bahn fahren, um einen Grünstreifen für ihren Vierbeiner zu finden?

Viele Berliner fragen sich, mit welchen Kontrollmechanismen der Senat das neue Hundegesetz durchsetzen möchte. Es herrscht Personalmangel für die Kontrolle der Berliner Grünanlagen. Laut Sozialarbeiterin Anja Laetsch (53) sind seit dem Inkrafttreten des neuen Hundegesetztes weniger Hundehaufen auf den Wegen. Sie beobachtet aber immer mehr Kotbeutel neben den Mülleimern, da diese schon überfüllt sind.

Ziel ist ein Kompromiss zwischen Menschen mit und ohne Hund

Nicht-Hundehalterin Anja Laetsch joggt fast jeden Morgen im Park am Südgelände. Dies ist eins der Hundeauslaufgebiete in Berlin. Oft verspürt sie Angst, wenn ein großer Hund auf sie zugerannt kommt. „Der tut nix!“ rufen ihr die Hundehalter zu. Doch an die Leine nehmen sie, trotz der Bitte von Anja Laetsch, ihre Hunde nicht.

Viele, erzählte sie, besitzen sogar die Unverfrorenheit ihr zu empfehlen, sich eine andere Joggingstrecke zu suchen. Konflikte bleiben dabei nicht aus. Anja Laetsch wurde bei einem Fahrradunfall, den ein nicht angeleinter Hund verursacht hatte, verletzt, weil dieser vor ihr Rad lief. In Zukunft soll es durch die Leinenpflicht und den Hundeführerschein weniger solche Unfälle geben.

Redakteur Dr. Franz Schaller (49) geht gerne mit seiner Hündin im Treptower Park spazieren. Obwohl dort Leinenpflicht herrscht, beobachtet er, dass viele ihre Hunde trotzdem freilaufen lassen. Auch er gönnt seiner Hündin ein paar Meter ohne Leine. Hundeliebhaber trifft er dort viele und so können sich die Vierbeiner austoben. Er gibt zu, dass er sich vor dem Hundekauf nicht mit dem Hundegesetz in Berlin beschäftigt hat.

Die Zukunft wird zeigen, ob das Miteinander von Hundehaltern und Nicht-Hundehaltern durch das neue Berliner Hundegesetz verbessert wird. Es wird immer Konflikte und Missverständnisse geben. Viel wichtiger ist, dass weiterhin mit Hilfe des „Bello-Dialoges“ über Probleme und Verbesserungsmöglichkeiten gesprochen wird. Berlin ist und bleibt eben auch eine Hundehauptstadt.