Berlin – Hauptstadt der Schwarzfahrer

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Schwarzfahren ist wohl die einzige Straftat, die fast jeder so regelmäßig in seinem Alltag miterlebt. Allein in Berlin wurden im vergangenen Jahr 600.000-mal Schwarzfahrer erwischt. In 50.000 Fällen kam es zu einer Strafanzeige wegen Erschleichung von Dienstleistungen, da das erhöhte Beförderungsentgeld nicht freiwillig gezahlt wurde.

In Berlin liegt die Quote der Schwarzfahrer bundesweit am höchsten. 18 Prozent der Fahrgäste sind hier laut einer aktuellen Studie ab und zu vorsätzlich ohne Fahrschein unterwegs. Davon fahren 22 Prozent regelmäßig vorsätzlich schwarz.

Die Dunkelziffer liegt aber deutlich höher. Schon seit Jahren geht man bei den Verkehrsunternehmen von einer Quote von etwa 4 Prozent aus. Auch die Umfrageergebnisse von “myMarktforschung” aus diesem Jahr kommen auf diese Zahl. Das bedeutet, dass es in Berlin pro Jahr ca. 59 Millionen Schwarzfahrer gibt, von denen lediglich ein Prozent bei Kontrollen erwischt werden.

Infografik: Berlin hat die meisten Schwarzfahrer | Statista Quelle: Statista

An einer Unzufriedenheit mit dem öffentlichen Personennahverkehr liegt Schwarzfahren aber nicht. 69 Prozent der Schwarzfahrer sind mit dem ÖPNV zufrieden. Unter den zahlenden Fahrgästen sind es 72 Prozent, also nicht wesentlich mehr. In Essen liegt die Quote der Schwarzfahrer sogar nur bei 7 Prozent obwohl hier mit 60 Prozent bundesweit die wenigsten Fahrgäste zufrieden sind.

Keine Frage des Einkommens

Der Hauptgrund für das Fahren ohne Ticket liegt wohl auch nicht an einem geringen Einkommen. Nur 9 Prozent der Befragten mit einem Einkommen unter 500 Euro fahren vorsätzlich schwarz. Die meisten Schwarzfahrer gibt es mit 20 Prozent in der Gehaltsklasse 1.500 bis 2.000 Euro.

Schwarzfahrer haben viele Helfer

Schwarzfahren ist in der Gesellschaft dabei keineswegs schlecht angesehen. Vielmehr wird oft versucht, ihnen noch zu helfen. Das passiert fast täglich durch Warnungen vor Kontrolleuren in den sozialen Netzwerken. Doch auch im Moment der Kontrolle, sind viele bereit, den Schwarzfahrern eine Flucht zu ermöglichen. Indem sie besonders langsam nach ihrem Ticket “suchen”, wollen sie die Kontrolleure möglichst lange aufhalten.

Die S-Bahn kontrolliert mehr

Wer ohne Fahrschein in Berlin unterwegs ist, muss in der S-Bahn eher damit rechnen erwischt zu werden. Denn hier wurden im vergangenen Jahr von 431 Millionen Fahrgästen knapp 8,5 Millionen kontrolliert. Bei der BVG wurden rund 5 Millionen kontrolliert, befördert wurden 1,04 Milliarden. In den Zügen der S-Bahn wurden folglich 2 Prozent der Fahrgäste kontrolliert, während in Fahrzeugen der BVG weniger als 0,5 Prozent der Fahrgäste ihr Ticket zeigen mussten.

Bei Schwarzfahren droht auch ein Strafverfahren, wenn das erhöhte Beförderungsentgeld gleich gezahlt wird: Die BVG erstattet Strafanzeige gegen Personen, die innerhalb von zwei Jahren drei Mal ohne Fahrschein erwischt wurden. Die S-Bahn macht das schon im Zeitraum von einem Jahr.

Im europäischen Vergleich sind die Strafen für Schwarzfahren in Berlin aber verhältnismäßig gering. Spitzenreiter ist Brüssel mit 200 Euro. Kopenhagen liegt bei 100 Euro und Wien nur knapp über Berlin mit 70 Euro Strafgebühr.