Ant-Man & the Wasp: Harmlos, leicht und mit viel Action

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Nach seinem schwerwiegenden Vorgänger »Infinity War«, in dem es für das Marvel Cinematic Universe um alles oder nichts ging, backt der nachfolgende Film, »Ant-Man & the Wasp«, nun wieder kleinere Brötchen und ist so vor allem ein Werk, das – wie sein Vorgänger »Ant-Man« – etwas familiäres an sich hat. Man könnte aber auch sagen, dass das Chaos, das der zweite »Ant-Man« anzettelt, stets übersichtlich ist. Man läuft nie Gefahr, aus der bieder-bunten Gefälligkeit dieses Werkes herausgeworfen zu werden.

Der Film macht das, was schon der vorherige Film gemacht hat und dabei bleibt es. Der Film setzt nach den Ereignissen von »Civil War« ein, in dem sich statt mit Argumenten zu fechten, Iron Man und Captain America durch private Konflikte, wie auf einem Kinderspielplatz kloppten, aber am Ende sich doch wieder ganz gern hatten. Scott Lang (Paul Rudd) steht seitdem unter Hausarrest und beweist, dass man auch unter dieser Hürde noch Spaß mit seiner Tochter haben kann. Auf der anderen Seite versuchen Hank Pym (Michael Douglas) und Hope (Evangeline Lilly) einen Weg zu finden, um Frau/Mutter Jane van Dyne (darf dafür auch Wunderheilerin spielen: Michelle Pfeiffer) aus dem subatomaren Raum zu holen und benötigen bald schon Scotts Hilfe.

Damit ist das Ziel des Films definiert. Es geht um die Suche nach der verschollenen Mutter. Und da hört der eigentliche Plot des Films aber auch schon auf. Denn der Rest des Films ist eine einzige, zwischen geschwätzig und temporeich pendelnde Verfolgungsjagd, die sowohl Protagonisten als auch Antagonisten stets hin und zurück, hin und her durch San Francisco führt. Immerhin bleibt das, trotz einer redundanten Länge von knapp zwei Stunden für ein Nichts an Geschichte, vergleichsweise kurzweilig. Im Verlaufe der Geschichte jagen sie alle nach einem schrumpfbaren Labor, das man auch als Reisekoffer mit sich tragen kann und in dem sich der Tunnel zur subatomaren Ebene befindet. Das Labor ist folglich ein McGuffin, das den spielerischen Ton des Films unterstreicht, der sich mit seinem Gimmick, alles zu vergrößern oder zu verkleinern, reichlich austobt.

Zudem ist es wohltuend, dass der Film immerhin niemals vorgibt, mehr erzählen zu wollen als er wirklich tut, wie es so manch anderer Marvelfilm gerne tut, aber am Ende genauso wenig erzählt wie dieses im Kern versöhnliche Werk, das uns ganz offen in seine Karten schauen lässt und einfach nur Spaß machen will. Das macht den Film sympathisch. Dagegen muss man aber sagen, dass der Film dadurch sehr banal am Ende des Tages erscheint. Denn es ist eine typische formelhaft gestrickte Marvelcomedy, die sich ausgiebig dem Screwballhumor hingibt, die aber dem Pathos oder zum Beispiel der tragischen Geschichte seiner Antagonistin Ghost nicht traut, darüber lieber noch einen infantilen Scherz setzt, damit der Zuschauer auch gar nicht in die Versuchung gerät über diese antagonistische Figur zu reflektieren. Das würde wahrscheinlich zu viel Chaos in dieses familiäre Universum bringen. Dafür darf der hysterisch-hibbelige Michael Pena wieder einmal aus allen Rohren plaudern. Ernsthaftigkeit steht dem Gag da nur im Wege.

Die Bösewichte in diesem Marvelfilm sind zudem überhaupt keine Gegner, auch sie existieren – wie der Plot – als Alibi, denn eine wirkliche Gefahr geht von ihnen zum Großteil nicht aus, sie stehen ein wenig im Weg herum, zögern das Erreichen des Ziel heraus, aber etwa sind sie im Herzen doch irgendwie gute Menschen (treudoof: Laurence Fishburne), die aus dem Blickwinkel der Protagonisten falsche Wege beschreiten müssen oder viel zu laut schreiende Gockel (Walton Goggins), die am besten sind, wenn sie die Flucht ergreifen. Außerdem sollte man festhalten, dass der Film, trotz der Tatsache, dass er schon im Titel damit wirbt, »The Wasp« einzuführen, das Werk an sich mit der Heldin wenig anfangen kann. Oder um es schlicht auf den Punkt zu bringen: Evangeline Lilly ist es einfach. Sie kämpft jetzt mit Rudd an seiner Seite. Der Film macht keinen Diskurs in dieser Hinsicht auf. Verweigert sich durch Schweigen. Und damit hat sich die Diskussion zum immer noch sehr stiefmütterlich behandelten Thema Superheldinnen für den Film beendet.

Folglich ist der neue Marvelfilm insgesamt ein harmlos arrangierter Lückenfüller dieses ambitionierten Universums geworden, das brav das bedient, was von ihm erwartet wird, nämlich Kasse zu machen und die Superhelden auch weiterhin erfolgreich im Kino zu halten. Es ist ein seichtes Werk, dem man gewiss mit einmal sehen genug Aufmerksamkeit geschenkt hat. So zeichnet den Film seine Leicht- und Luftigkeit aus, mit der er sich am Ende wiederum auch auflöst.

5.5 / 10