“An der Tür” von Miriam Bliese: Ein RÜCKBLICK ZUM KINOSTART von “Die EINZELTEILE DER LIEBE”

An diesem Donnerstag, dem 22. August, startet in den deutschen Kinos der Debütfilm “Die Einzelteile der Liebe”, eine studentische Langfilmproduktion der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb), die bei der diesjährigen Berlinale in der Perspektive Deutsches Kino lief. Aus Anlass dieses Kinostarts machen wir nun einen Rückblick auf das Kurzfilmschaffen seiner Regisseurin Miriam Bliese und werfen einen Blick auf ihren zuvor entstandenen Kurzfilm “An der Tür”, um erste Schlussfolgerungen und Vergleiche zum Langfilm zu ziehen. Denn dieser Kurzfilm bildete für die Regisseurin und ihr Team eine maßgebliche Inspiration für die Arbeit an ihrem Langfilm.

© Arsenal Filmverleih

In diesem Langfilm, einem Beziehungsfilm, geht es um die Protagonisten Sophie und George, die sich einst geliebt haben, aber nun getrennt voneinander leben. Der Film wird ihre Beziehung auf verschiedenen Zeitebenen untersuchen, das Auf und Ab, das Hin und Her ihrer alltäglichen Probleme einer Trennung verhandeln. In der Synopsis zum Film heißt es dazu, dass der Film in singulären Momentaufnahmen sich elliptisch vor einer Berliner Haustür entwickeln und somit das Porträt einer Familie erzählen würde, für die Patchwork die Normalität wäre. Dabei würden die Beteiligten ihre Nöte und Sehnsüchte vor Hauswänden, zwischen Pfeilern oder Parkplätzen verhandeln.

Der Reiz des Films liegt also auch darin, wo er Dinge erzählt, nämlich in gewissen Transitzonen des Lebens, Übergangsbereichen, die die Menschen sonst passieren. In diesen würde dieser Film, Einzelteile der Liebe, aber anscheinend ruhen und verweilen. Und damit kommen wir auch schon direkt zur Verbindung zu ihrem Vorgänger “An der Tür”, der ebenfalls Momentaufnahme in genau solch einem Bereich des Lebens ist.

An der Tür [2013 | 5 Minuten]

Der Kurzfilm spielt nämlich durchweg an einer Tür, einer Schwelle zu anderen Welt, und verhandelt dort sehr pointiert und prägnant die Trennungssituation seiner Hauptfigur, eines Mannes (Wolfram Koch), der an der Haustür eines Wohnkomplexes auf seinen kleinen Sohn Jakob wartet, um ihn abzuholen und Zeit mit ihm zu verbringen. Dabei entwickelt sich ein Gespräch mit seiner ehemaligen Frau (Jeanette Hain) über die Gegensprechanlage. Schon in dieser Idee, die Kommunikation des ehemaligen Paares, über die Anlage zu illustrieren, macht ihre Entfremdung voneinander deutlich. Zwischen ihnen ist diese Barriere, die er zumindest gerne überwinden würde, aber es nicht schafft, weil er oder auch sie sich nicht trauen. Die Umgebung ist so geblieben, wie er sie kannte, obgleich er weg ist und das gibt ihm zu denken. Es ist also ein Film, der sein Thema, die Trennung deutlich illustriert und auf einer kleinen, alltäglichen Situation aufbaut. Der Humor des Films ist dabei zwischen den Zeilen, ist ein sehr lakonischer, aber nichtsdestotrotz charmanter. Über den Humor des Films muss man schon schmunzeln, wenn sich der Mann ganz unaufgeregt an der Tür einen Wein öffnet, um zu das Warten zu verkürzen. 

Der Film ist dabei empathisch und zurückhaltend erzählt. Das Werk besteht zum Großteil nur aus statischen, dafür klar kadrierten Einstellungen, schafft es dennoch durch die behutsame Beobachtung seiner Hauptfigur auf Feinheiten zu achten und sie seinen Zuschauer*innen zu kommunizieren. Das gilt auch für den Dialog, der stets unter der Oberfläche eine zweite Dimension birgt, der die Wehmut der Hauptfigur und die Hoffnung, dass es doch nochmal klappen könnte mit seiner Frau. zwischen den Zeilen erzählt. Durch diese leise Annäherung und die visuelle Zurückhaltung schafft der Film, trotz der Distanz seiner Figuren, Nähe aufzubauen. “An der Tür” ist lebensnahes Erfassen einer Situation, in der noch eine Chemie und ein Gefühl zwischen den beiden Figuren da ist, ein Verständnis für Einander, das vielleicht aber auch nur Überbleibsel aus vergangenen Tagen ist. Die Wand zwischen ihnen wird dennoch nicht durchbrochen. Es bleibt wie es ist. 

Vom Kurzfilm zum Langfilm

© Arsenal Filmverleih

Damit hat der Kurzfilm letztlich den Charakter eines Mosaikstücks, das aus einem größeren Narrativ entnommen und herausgerissen wurde. In Bezug zu “Die Einzelteile der Liebe” kann man auch schlussendlich konstatieren, dass “An meiner Tür” wie ein Teaser zu diesem Langfilm von Miriam Bliese funktioniert. Die Regisseurin selbst schrieb im Presseheft des Films zur Entwicklung des Kurzfilms zum Langfilm: 

“Nach dem Kurzfilm ist mir klar geworden, dass ich von diesem Paar noch viel mehr erzählen möchte. Außerdem habe ich festgestellt, wie reizvoll ich die extreme Reduktion der Mittel finde, die ich in „An der Tür“ ausprobiert hatte. Indem ich mich beim Schreiben zwinge, sämtliche Szenen an einem UnOrt wie dieser Haustür spielen zu lassen, entstehen Situationen, die mich überraschen. Die mir aber trotzdem eigenartig vertraut sind. “

Das heißt, dass “Die Einzelteile der Liebe” diesen reduziert Stil, den “An der Tür” etabliert hat, fortsetzt. Das sieht man auch an dem Trailer, der zugegebenermaßen im direkten Vergleich mit dem Vorgänger noch etwas komödiantischer, überspitzter hinsichtlich seines Humors wirkt. Der Rest scheint sich aber weitergeführt zu werden: in meist weiten und statischen Tableaus, in denen die Kamera nur sehr dezidiert bewegt wird und ein geerdeter Eindruck von einer naturalistisch-reduzierten Bildsprache vermittelt wird und die auf eine formale Stilisierung zu verzichten scheint (klammert man mal die Gesangseinlagen aus). Oder in der Lakonie, die schon im Kurzfilm mitschwang. Was man aus dem Trailer zudem extrahieren kann, ist, dass diesen Film anscheinend eine triste (hinsichtlich der Nichtorte, an denen er spielt) Leichtigkeit und Natürlichkeit ausstrahlen wird. Inwieweit man Thesen hinsichtlich des Films zu treffen, davon können wir uns nun ab dem 22. August in ausgewählten deutschen Kinos überzeugen. Basierend auf meinen Erfahrungen mit ihrem Kurzfilm sei auf jeden Fall eine Empfehlung an dieses Debüt von Miriam Bliese ausgesprochen.

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(Anmerkung der Red.: Sämtliche Informationen zum Langfilm wurden extra aus dem Pressematerial oder dem vorliegenden Bewegtbildmaterial extrahiert, der Film selbst lag uns nicht vor)